Die Europäische Zentralbank hat vor gerade einmal einem Monat den Leitzins auf 1,25 Prozent gesenkt, doch jetzt wurde er erneut auf sogar nur noch 1,0 Prozent gesenkt. Dabei war schon die vorherige Zinssenkung eine echte Überraschung. Doch wieso senkt die EZB den Leitzins erneut um 25 Basispunkte? Der neue EZB-Präsident Maro Draghi hat die neue Zinssenkung mit “substantiellen neuen Abwärtsrisiken” begründet, die offenbar auf die Wirtschaft der Eurozone lauern. Für das angeschlagene Bankensystem wurden zusätzlich weitere Notfallhilfen angekündigt. Eine noch stärkere Ausweitung der Ankäufe von Anleihen durch die Notenbank hat der Chef der EZB dagegen ausgeschlossen. Die Ankündigung hatten sofort Auswirkungen auf den DAX und den Euro, die beide nachgegeben haben.
Doch damit nicht genug, der EZB-Chef gab bekannt, dass der sogenannte Sicherheiten-Rahmen für Offenmarktgeschäfte gelockert wird und über einen Zeitraum von 36 Monaten Refinanzierungsgeschäfte durchgeführt werden. Durch die Spannungen im Finazsektor ist das Kreditangebot im Währungsraum nur wenig beeinträchtigt.
Durch die Unsicherheiten in der Staatsschuldenkrise haben sich die Konjunkturaussichten eingetrübt war seine Aussage. Damit kann sogar eine Rezession nicht mehr länger ausgeschlossen werden. Laut der EZB wird für 2012 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 0,3 Prozent gerechnet. Diese Zahl ergibt sich aus der Spanne von minus 0,4 Prozent bis hin zu plus 1,0 Prozent. Im September hatte die EZB noch mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet.
Der Preisdruck soll nachlassen
Laut den Prognosen von Draghi wird die Inflation in den nächsten Monaten etwas unter 2,0 Prozent bleiben und damit unter dem EZB-Zielwert. Im jetzt noch laufenden Jahr geht die Notenbank von einer Teuerung von 2,7 Prozent aus. Doch im kommenden Jahr soll der Preisdruck schon wegen der schwachen Konjunktur nachlassen, damit lässt sich eine Inflationsrate von 2,0 Prozent erreichen. Schon im Jahr 2012 wird die Teuerungsrate im Euroraum auf nur noch 1,5 Prozent eingeschätzt.
EZB will keine Staatsschulden finanzieren
Mit Blick auf die Schuldenkrise in Eurpoa meinte Draghi,, dass alle Regierungen im Währungsraum fiskalische Nachhaltigkeit unterstützen müssen. Zu den umstrittenen Anleihekäufen durch die Notenbank äusserte sich der EZB-Präsident, dass er “flasch interpretiert” wurde und keine Ausweitung stattfinden wird.
Das Vorbild der USA um die Schulden unter Kontrolle zu bringen, nämlich einfach noch mehr Geld zu drucken, soll in Europa keine Anwendung finden. Der Auftrag der EZB besteht darin die Preisstabilität zu erhalten und die Finanzierung von Staatsschulden ist der EZB ohnehin untersagt. Zumindest zur Zeit noch.
Die Märkte geben nach
Der DAX hat auf die Leitzinssenkung zuerst kaum reagiert, im Laufe des Tages stieg er dann kurz auf 6077 Punkte um daraufhin gleich wieder auf 5900 Zähler zu fallen. Der Euro dagegen hat sich einen großen Teil des Tages ziemlich stabil um die 1,34 Dollar Marke bewegt um letztlich doch abzurutschen.
Kredite werden billiger, dafür steigt die Inflation
Dem Prinzip nach sollten sich Kredite jetzt wieder verbilligen, damit wird es für Unternehmen leichter Investitionen zu tätigen und die Verbraucher können sich auch sonst nicht bezahlbare Produkte günstig finanzieren. Berücksichtigt werden sollte dabei jedoch, dass durch niedrige Zinsen die Inflation stark ansteigen kann, denn diese lag auch in der vergangenen Zeit bereits weit über dem Zielwert der EZB, der bei knapp zwei Pozent liegt. Letzten Monat im November lag die Inflationsrate in 17 Euroländern bei 3,0 Prozent, doch die Experten sind zuversichtlich, dass der Höhepunkt bereits erreicht ist und der Preisdruck ab sofort nur noch abnimmt.
Diesen Abend beginnt in Brüssel der zwei Tage dauernde EU-Gipfel zur aktuellen Finanzkrise im Euroraum. Frankreich und Deutschland möchten wesentlich strengere Kontrollen bei der Überwachung der Haushaltsdisziplin der Eurostaaten durchsetzen. Dabei werden sie vermutlich auf starken Widerstand stossen. Einige Experten erwarten einen leichten Abwärtstrend des Bund-Future bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse aus diesem EU-Gipfel.